Schreibt es mir in die Kommentare

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„Der Sommer wird gut“, hat Karl Lauterbach gesagt und die Inzidenz in Bochum liegt unter vier. Ich finde aber, dass trotzdem gerade jetzt die richtige Zeit ist, über alle möglichen Szenarien auch für die Zeit nach dem Sommer, also die Tage, an denen der Weizen hinter mir geerntet wird, zu sprechen. Denn obwohl die Inzidenz beständig sinkt und deswegen gerade zurecht so ziemlich alles alltägliche wieder möglich ist, steigt die Reproduktionszahl leicht, wohl vor allem, weil die Delta-Variante des Coronavirus’ mutmaßlich auch von geimpften Personen weitergegeben werden kann und nur vollgeimpfte Personen gegen sie immun sind.

Zwei wichtige Punkte vorweg: Zum einen ist trotz Delta auch ein entspannter Herbst möglich. Dafür aber müssen wir schneller impfen: Nur rund 35% der Deutschen sind erst und nur jede*r zweite*r ist sogar zweitgeimpft. Gerade weil jetzt hinreichend Impfstoff zur Verfügung steht, braucht es mehr Schwerpunktimpfungen in besonders dicht besiedelten Stadtteilen, kreative Lösungen und hohen Einsatz, um die Impflinge auch zum zweiten Pieks zu mobilisieren. Der zweite Punkt betrifft die Vorkehrungen für den Fall, dass uns Delta trotzdem noch einmal hart trifft: Ich finde es beispielsweise unbegreiflich, dass der CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet als NRW-Ministerpräsident immer noch Investitionen in Luftfilter für alle Klassenräume ablehnt. Solche Sicherheitsmaßnahmen müssen jetzt eingeleitet werden, denn sie und der bereits erreichte Impfschutz sind eine Versicherung dafür, dass auch der Herbst – frei nach Karl Lauterbach – gut werden wird.

Die Inzidenz ist gerade unter vier, natürlich kann ich jetzt ungetestet ins Café, aber ich als geimpfte Person fände es falsch, wenn ich bei einer Inzidenz von über 35 ohne Test ins Restaurant gehen dürfte. Klick um zu Tweeten

Jetzt zum eigentlichen Punkt: Je größer der Impffortschritt ist, desto wichtiger ist es, über Privilegien für Geimpfte gesellschaftlich zu diskutieren. Auch weil einige Unentschlossene hier eine „Impfpflicht durch die Hintertür“ fürchten. Das tue ich nicht – Und das würde ich auch ablehnen. Aber ich glaube, dass es wichtig ist, jetzt Verabredungen für den Fall zu treffen, dass wir wieder härtere Maßnahmen zur Pandemieeindämmung treffen müssen. Wie gesagt: Die Inzidenz in Bochum ist gerade unter vier, natürlich kann ich jetzt ungetestet ins Café, aber ich als zweifach geimpfte Person fände es falsch, wenn ich bei einer Inzidenz von über 35 ohne Test ins Restaurant gehen dürfte, denn die Delta-Variante könnte dort ja trotzdem übertragen. Auch die Maskenpflicht sollte für Geimpfte uneingeschränkt weiter gelten, finde ich.

Andere sehen das anders. Ich glaube, dass einer der größten Fehler im Umgang mit der Pandemie unsere immer schlechter werdende Krisenkommunikation war. Darum sollten wir jetzt die Gelegenheit nutzen, um ins Gespräch zu kommen. Natürlich auf Basis der wissenschaftlichen Fakten und erst Recht unter Ausschluss radikaler Querdenker*innen. Meine Haltung ist klar: Sicherheit vor Risiko, Schutz der vulnerablen Gruppen und Vermeidung von Triage um jeden Preis, lieber Wirtschafts- als Soziallockdown und Investitionspriorität für Corona-Heldinnen, Bildungseinrichtungen und Familien statt Rettungsschirme für Unternehmen ohne Unternehmensbeteiligungen für den Staat.

Ich glaube, der Herbst wird so gut, dass wir manche Diskussionen über #Corona und #Delta gar nicht führen müssen. Warum es trotzdem gut ist, sie zu führen: Klick um zu Tweeten

Ich glaube aber auch, dass der Herbst gut wird. So gut, dass wir diese Diskussionen vielleicht geführt haben werden, ohne ihre Quintessenz in der Praxis anwenden zu müssen. Das aber wäre doch gleich doppelt gut – Zum einen, weil es uns auf eine mögliche nächste Pandemie vorbereitet ohne dass wir dann auf die Learnings eines Winfried Kretschmann angewiesen sind, der ja gerade in Baden-Württemberg versucht, der Einschränkung von Freiheitsrechten einen konsistenten Rahmen zu geben, der weitergehen soll als alles, was während Corona nötig gewesen statt sich zu fragen, wie eine nächste pandemische Lage vielleicht gegenteilig mit weniger Lockdown schaffen könnten. Und zum anderen, weil gut und breit geführte gesellschaftliche Diskussionen – und kein Thema beschäftigt gerade so viele Menschen wie Corona – Demokratien stärken, Gesellschaften zusammenhalten.

Gerade stehe ich vor einem Weizenfeld und es fühlt sich gut an. Um mich dabei aber noch mehr wie ein Influencer zu fühlen und weil es als Abschluss für diesen Text am besten passt, hier folgendes: Was denkt ihr darüber? Schreibt es mir – ihr ahnt es – gerne in die Kommentare.

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