Keine Kohle (und keine Kernenergie. Worauf wir bei der Transformation zur klimaneutralen Industrienation verzichten müssen)

Keine Kohle (und keine Kernenergie. Worauf wir bei der Transformation zur klimaneutralen Industrienation verzichten müssen)

Keine Kohle (und keine Kernenergie. Worauf wir bei der Transformation zur klimaneutralen Industrienation verzichten müssen) #Taxonomie Klick um zu Tweeten

Die gegenwärtig wohl größte Menschheitsaufgabe ist es, den menschengemachten Klimawandel aufzuhalten. Politisch bedeutet das hier, eine Transformation zur klimaneutralen Industriegesellschaft zu schaffen. Gestern sind drei der letzten sechs Kernkraftwerke in Deutschland vom Netz gegangen, die übrigen drei folgen bis zum Ende dieses Jahres. Bis zum Herbst will die 🚦 einen Fahrplan für den Kohleausstieg bis zum Jahr 2030 beraten und es so schaffen, noch in diesem Jahrzehnt auch aus der Kohle auszusteigen. Beide Entscheidungen sind fundamental: Den Kernenergie kann allein deswegen keine akzeptable Brückentechnologie sein, weil wir auch nach Jahrzehnten noch immer kein einziges Endlager für den radioaktiven Müll gefunden haben. Und selbst wenn wir eines fänden, müsste der Müll dort erst einmal Millionen Jahre überstehen – kurze Sidenote: Wusstet ihr, dass es Wissenschaftler*innen gibt, die sich nur mit der Frage beschäftigen, wie man die Information hierüber über die hunderttausenden Menschenheitsgenerationen transportieren könnte. Immerhin wandeln sich Schrift, Sprache und Zeichen viel schneller.

Ein europäisches Projekt

Doch die Energiewende ist kein rein deutsches, sie ist auch für uns schon ein vorwiegend europäisches Thema. Im Rahmen der GreenDeal-Planung will die EU-Kommission deswegen nun entscheiden, welche auch fossilen Energieträger für den Übergang als Brückentechnologien gefördert werden sollen. Und damit sind wir beim Thema, denn Atomenergie soll dazugehören. Konkret würden basierend auf dem Vorschlag der EU-Kommission selbst die teilweise fünf Jahrzehnte alten Atom-Meiler in Belgien und Frankreich gefördert werden, die aktuell wegen massiver Sicherheitsbedenken nicht am Netz sind. Das ist nicht nur nicht nachhaltig, es ist auch eine Gefahr für die Sicherheit Europas.

Und noch einen zweiten schlechten Kompromiss hält die Taxonomie bereit: Erdgas soll nicht nur – wie von Klimaforscher*innen empfohlen – bis zu einem Grenzwert von 100g Co2/kWh sondern bis 270g Co2/kWh gefördert werden. Das ist ein massiver Rückschritt im Kampf um die Einhaltung der Klimaziele. „Listen to the scientist“? I doubt it! Dabei kann Erdgas eine wichtige Brückentechnologie sein, weil es nachhaltiger als Kohle und Kernkraft ist und uns so Zeit verschafft, 2% der Landesfläche für Windenergie zu nutzen, Solarzellen auf jedem Dach zu installieren und Wasserstoff-Technologien serienreif zu entwickeln. Aber eben nur entsprechend streng reguliert und auch politisch gesteuert: Nordstream II zum Beispiel ist dem entgegenstehend ein Rohr, welches mehr trennt als verbindet.

Und deutsche Verantwortung

So ambitioniert die 🚦 also in Deutschland startet, so klar sie das Ziel definiert und sich aufgemacht hat, den Weg zu beschreiben, so unambitioniert gibt sich Europa und so unklar agiert auch Deutschland in der EU – Wohl auch wegen des Vertrauensverlusts, den Nord Stream II für unsere Nachbar*innen bedeutet hat.

Doch das darf so nicht bleiben! Nationale Anstrengungen verlieren ihren Wert ohne internationales Engagement. Olaf Scholz hat betont, dass Deutschland mit gelingenden Klimaschutz Vorreiter für andere Länder werden möchte. Damit das gelingen kann, muss insbesondere Deutschland den Taxonomie-Kompromiss aufbrechen und damit Verantwortung übernehmen, auch wenn das einen Preis haben wird. Alle Augen sind auf uns gerichtet.

(Dieser Text erschien auch als Kommentar im Freitag.)

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