Darf Deutschland knien?

Darf Deutschland knien?

In der vergangenen Woche spielte Deutschland gegen Ungarn, ihr erinnert euch: Das Stadion in München sollte in Regenbogen-Farben beleuchtet werden, doch die UEFA untersagte es. Ein Regenbogen-buntes Stadion sei eine politische Botschaft, doch der Sport sei unpolitisch, lautete ihre Argumentation – Und sie war eine Unverschämtheit: Denn wenn ein Regenbogen vor dem Stadion politisch ist, ist es dessen Verbot natürlich erst recht. Die UEFA stellte sich damit auf die Seite des Unterdrückers Orban, der trans Menschen im letzten Jahr die Möglichkeit zur geschlechtlichen Selbstbestimmung nahm und nun per Gesetz sämtlich Medien zensieren lassen will, die auf nicht hetero-normative Beziehungskonstellationen hinweisen. Es war ein grausamer Tag, für die Community, Europa und den Fußball.

Darf Deutschland knien? Über den #Kniefall der Mannschaft bei #ENGGER. Klick um zu Tweeten

Anschließend erlaubte die UEFA ihren Werbepartner*innen dann ihre Werbung in Regenbogen-Farben zu unterlegen.
Der Regenbogen als politische Botschaft an einen Diktator? Sorry, das geht nicht.
Der Regenbogen als Möglichkeit, noch mehr Geld zu verdienen? Das ist scheinbar kein Problem.
Es ist klassisches Pinkwashing, wenn Unternehmen nur dann mit den Regenbogen werben, wenn er gerade eh positiv besetzt in den Medien ist – Und nicht wie der Supermarkt um die Ecke permanent mit einer Regenbogenfahne vor der Filliale deutlich machen, dass ihr Laden ein Safespace ist. Besonders ätzend ist das Pinkwahsing im Falle von VW, einer Firma, die vor 90 Jahren noch Brownwashing betrieb, und heute noch nicht mal trans- und Intersektionalismus-Symbole in die Regenbogen-Werbung integriert bekommt.

Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft trägt seit diesem Monat eine Regenbogen-Armbinde, manche Bundesliga-Mannschaften setzen dieses Zeichen schon länger konsequent. Vielen queeren Fans macht das Mut, dass #IhrKönntAufUnsZählen kein Lippenbekenntnis war, sondern im Alltag immer wieder deutlich wird. Heute will die Mannschaft vor dem Spiel zudem einen Kniefall zeigen – Und ich finde das, anders als die bunte Bandenwerbung, auch richtig gut. Denn zuallererst unterscheidet diese Symbolik sich wesentlich von der medialen Inszenierung der verunglückten #HumanRights-Kamapange, welche das DFB-Team jüngst vor einem Testspiel zeigte, dahingehend, dass man sich hier ausdrücklich mit der Black-Lives-Matter-Bewegung solidarisiert, indem man ihre Haltung annimmt statt sich als überprivilegierte, weiße Männer eine eigene und dadurch unglaubwürdigere eigene Aktion eben bloß zu inszenieren. Und zum zweiten, weil die Notwendigkeit der Solidarität mit BLM so auch Menschen erreicht, die diesem Thema sonst eher aus dem Weg gehen (können). Das finde ich gut!

Denn klar ist: Der Kampf gegen Rassismus ist eine alltägliche Verpflichtung. Für jede*n von uns und insbesondere für die, deren große gesellschaftliche Reichweite eine besondere Verantwortung mit sich bringt. Doch dieser Verantwortung wird man natürlich nicht bloß mit einem Kniefall gerecht, weil jedes Engagement gegen Rassismus heute unglaubwürdig ist, wenn man morgen zum Beispiel zum Fußball spielen nach Katar fliegt. Übrigens: Die pinkwashenden Werbetreibenden bei der Europameisterschaft könnten das mit ihrer Wirtschaftskraft noch besser verhindern als die symbolisch knienden Fußballspieler – Das wäre dann auch richtig gutes und richtig glaubwürdiges Engagement gegen einen anderen, aber ebenfalls menschenfeindlichen Diktatoren.

Also, kniet vor dem Spiel gegen Rassismus, aber tragt dieses Engagement bitte an jedem Tag in euren Alltag.

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