Ich will nicht länger müde sein

Ich will nicht länger müde sein

Das erste, was man sieht, wenn man den Hauptbahnhof in Bochum verlässt, ist ein Bekenntnis zu Europa. Europa in Frieden und Zusammenarbeit – Das ist das politische Vermächtnis der Generation meiner Großeltern, dass aus Versöhnung Freundschaft wurde ist mehr Vertrauensvorschuss als Geschenk. Ich bin dankbar dafür, Erbfeindschaften nur noch aus dem Geschichtsbuch zu kennen und stattdessen mit dem Selbstverständnis einer europäischen Demokratie aufgewachsen zu sein.

Neuer Mut gegen Europamüdigkeit: Zeit für eine kämpferische #Europawoche! Klick um zu Tweeten

Und jetzt kommt das Aber: Ich merke, wie trotzdem Europa-Müde werde. Ich werde das, weil wir es seit vielen Jahren zulassen, dass an unserer Außengrenze Menschen ertrinken, in Lager gesperrt und selbst Kinder größten Gefahren ausgesetzt werden. Ich kann es nicht ertragen, wie Kompromisse mit Rechtsaußen die Würde dieser Menschen verletzen und Europa gleichzeitig destabilisieren und mich machen die Populist*innen wütend, denen das noch nicht mal weit genug geht, sondern denen die Idee eines geeinteren und offeneren Europas insgesamt zu wider ist. Dieser Konflikt schafft mich.

Gerade ist Europawoche, Sonntag ist Europatag. Europa ist die beste Idee, die wir je hatten und unsere einzige Chance, um trotz Globalisierung Demokratie und Freiheit zu verteidigen. Ich will nicht länger müde sein, ich will wieder aufwachen.

Gerade gibt es eine Menge europapolitischer Initiativen, die mit machen: Der Wiederaufbaufond zum Beispiel oder ein europäischer Mindestlohn und eine europaweite Arbeitslosigkeitsrückversicherung. Das schafft echte europäische Solidarität. Der Red-Green-Deal sagt der Klimakrise solidarisch den Kampf an, das EU-Parlament steht zum 1,5 Grad-Ziel und das völlig zurecht.

All das zeigt: Ein anderes Europa ist möglich. Eines das den Frieden wahrt und Hoffnung gibt, weltoffen ist und neue Chancen schafft.

Doch dafür muss Europa mutiger werden. So stärkt es auch außenpolitisch seine Stimme gegenüber den antidemokratischen Kräften wie China und Russland. Kurzfristig muss dafür das Mehrheitsprinzip im Rat weg, das Initiativrecht für den Rat her und die Demokratisierung der Kommission zurück, denn nach der letzten Europawahl wurde nicht etwa ein Spitzenkandidat deren Präsident, sondern die schlechteste deutsche Ministerin.

Langfristig bedeutet das, dass Europa eine Republik werden muss. Und dafür will ich kämpfen. Denn kämpfen hält wach. Und dieser Kampf lohnt, weil es der Kampf für das Versprechen einer besseren Zukunft ist und damit die Fortsetzung des Vermächtnisses meiner Großelterngeneration.

Positiver Nebeneffekt: Man kann dann unter der Maske auch wieder zuversichtlich grinsen, wenn man in Bochum von einem Bekenntnis zu Europa begrüßt wird.

In diesem Sinne: Keine frohe, aber eine mutige und kämpferische Europawoche Euch allen!

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