Equal Pay Day 2020: Ein Dank reicht nicht

Equal Pay Day 2020: Ein Dank reicht nicht

Heute ist Equal Pay Day – das heißt: Bis heute haben Frauen* umsonst gearbeitet. Denn aktuell beträgt der geschlechtsspezifische Entgeltunterschied in Deutschland 21 Prozent – oder auf ein Jahr Lohn umgerechnet, eben 77 Tage. Das liegt unter anderem daran, dass Frauen* trotz gleichwertiger Qualifikationen häufiger in schlechter bezahlten Branchen arbeiten. Beispielsweise in der Pflege oder Erziehung und Betreuung von Kindern und Jugendlichen. Ein Bereich von dem wir gerade übrigens erleben, wie wichtig er für jede*n von uns und unser Zusammenleben ist. Hinzu kommt, dass Frauen* bisweilen auch noch für die selbe Arbeit weniger Geld bekommen.

Keine Lust mehr auf Fotos und Appelle – Zeit für echte Veränderungen. Gerade jetzt!

All das muss sich ändern! Ich habe keine Lust mehr auf das jährliche Equal Pay Day-Foto mit dem entsprechenden Appell. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat seine gestrige Ansprache mit folgenden Worten geschlossen: Die Welt nach dem Coronavirus „wird eine andere sein. In welcher Welt, in welcher Gesellschaft wir leben werden, hängt von uns ab. Ich glaube an unsere Vernunft, ich glaube an unsere Solidarität.“

Das heißt: Wir können und sollten aus den aktuellen Einschnitten und der gesundheitlichen Bedrohung lernen, wertschätzender mit der Arbeit anderer umzugehen und dazu gehört auch die Lohnlücke zu schließen. Schnell und nachhaltig.

Ein Dank ist nicht genug

Ein aufrichtiges Danke – An alle, die heute und in den nächsten Tagen noch arbeiten, um sich um unsere Sicherheit und Gesundheit zu sorgen! Insbesondere in der Pflege arbeiten übrigens überwiegend Frauen*. Das gilt auch für die Kindertagesstätten und Schulen, mit deren Betreuungsangeboten gerade die kritische Infrasturktur aufrechterhalten wird und für die Supermärkte, die in den kommenden Wochen auch Sonntags öffnen werden, um einerseits unseren Bedarf an Lebensmitteln und Hygieneprodukten zu decken und um dabei anderseits ermöglichen, dass Stoßzeiten mit großen Publikumsverkehr abgefangen werden können.

Und um Mitarbeiter*innen in all diesen Bereichen, die gerade jetzt unter schweren Bedingungen arbeiten, geht es: Gerade sie werden noch immer zu viel schlecht und oft schlechter als in vergleichbaren männlich-geprägten Berufen bezahlt. Das Lob für sie ist am heutigen Equal Pay Day deswegen zu wenig! Diese Menschen verdienen mehr. Also müssen sie auch endlich mehr verdienen – Zum Beispiel durch eine Stärkung der Tarfifverträge und eine politische Erhöhung des Mindestlohns. Aber es braucht auch zusätzliche Möglichkeiten zur partnerschaftlichen Aufteilung der unbezahlten Care Arbeit und ein Entgeltgleichheitsgesetz, das auch für kleine Betriebe und Unternehmen (bis zu 200 Mitarbeiter*innen) gilt.

Der Equal Pay Day und die Corona-Krise

Um es mit den Worten des Bundespräsidenten zu sagen: Ich glaube an die Solidarität. Und solidarischer miteinander umzugehen und Respekt vor der Arbeit anderer zu gewinnen, das kann eine wertvolle Lektion sein, die wir alle aus dieser Krise lernen können.

Apropos: Das Foto zu diesem Beitrag habe natürlich zuhause aufgenommen. Bitte bleibt auch so viel wie möglich zu hause und verlasst das Haus, wenn ihr nicht zu eurem Arbeitsplatz müsst, nur um einzukaufen oder einen kurzen Spaziergang in der Natur zu machen. Nur wenn wir uns alle daran halten, kann eine Ausgangssperre verhindert werden. Und ganz ehrlich: Auf diese Einschränkung von persönlicher Freiheit könnte ich gut verzichten. Auf ein bisschen Ablenkung im Wald lieber nicht. Danke!

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